Das Paradies ist kein Ort. Es ist die Fähigkeit, das Leben zu lieben

Das Leben und ich

Das Leben und ich sind inzwischen ziemlich beste Freunde. Das war auch anders. Zumindest dachte ich das. Inzwischen weiß ich, das Leben liebt mich schon immer. Bedingungslos. Der, der Bedingungen stellte, war ich. Es hat es also mit mir nicht immer leicht gehabt. Manchmal musste das Leben die Lektionen wiederholen, oder mich retten oder weiß ich was... Das Leben verrät mir nicht alles, dafür ist es voller Überraschungen, Geschenke und es ist äusserst humorvoll.

An meine Geburt kann ich mich nicht erinnern. Das Licht des Kreissaales erblickte ich 1959 - 6 Tage vor Weihnachten - in einem Dresdener Krankenhaus.

Mein erste Erinnerungsbild ist ein Stein, der auf einem Bootssteg lag, und über den ich gestolpert und in das Wasser des Hafenbeckens gefallen bin. Ich wäre ertrunken, wenn nicht das Leben in diesem Augenblick einen Schutzengel in einen Matrosen verwandelt hätte, der mich gerettet hat. Vielleicht liebe ich deswegen heute noch Matrosen und Schiffe und das Meer.

Mit Drei konnte ich schwimmen. Und wohnte in Berlin, der Stadt, die grad durch eine Mauer geteilt wurde, obwohl niemand die Absicht hatte, eine zu errichten. Mit Vier wollte ich Tänzerin werden und liebte Glitzerpapier aus glattgestrichenem Bonbonpapier.   
Mit 5 kam ich in den Kindergarten. Das war ernüchternd. 
Nicht nur, weil ich Soldaten mit Fahnen malen musste. 
Allerdings hatte ich auch meinen ersten Bühnenauftritt als Schneeflocken-Tänzerin! 

Die Schule langweilte mich

Ich kletterte lieber auf Bäume oder saß in der Trauerweide am Bootshaus. Ich liebte es, im Garten zu zelten und ein Indianer zu sein. Was mir fehlte, war ein Pferd.  Mit sieben fing ich an, Gedichte und Geschichten zu schreiben. Und fragte die Erwachsenen: Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich hier? Die Antworten, falls sie mir welche gaben, verstand ich nicht. Mit acht wollte ich wissen, wie der Mittelpunkt der Erde aussieht und grub an ein Loch. Nach 9 cm gab ich auf. Die Erde war zu hart. Im Alter von 10 Jahren fragte ich mich, wie das Ende des Universums aussieht und kam zu dem Schluß, dass dort eine Mauer stehen muss. Aber ohne Soldaten. Und grübelte, was wohl dann hinter dieser Mauer ist. Mit 12 wollte ich die Schule abbrechen und Strassenfeger werden. Meine Eltern waren damit nicht einverstanden. Mit 13 gewann ich irgend welche Medaillen in Schwimmwettbewerben. Mit 15 schrieb ich immer noch Gedichte und Geschichten ( auch als die Leiterin des Literaturzirkels sich das Leben nahm.). Mein großes Vorbild war Maxie Wander. Mit 16 wollte ich Psychologie studieren. Mit 17 wollte ich einen Zigeuner heiraten, obwohl ich keinen kannte.

Nach dem Abitur studierte ich, auch wenn ich lieber Fotograf geworden wäre, Schauspiel.- Natürlich an einer der besten Schauspielschulen der Welt- Der Ernst Busch Berlin. Eine der schrecklichsten Zeiten in meinem Leben. Und mit einem der größten Geschenke: Ich entdeckte mein komisches Talent. Und lies nach der Diplomübergabe ziemlich schnell Theater Theater sein (zum Entsetzen meiner Eltern), träumte vom Zirkusleben und machte meine ersten Erfahrungen als Clown. 
Und die waren nicht immer lustig.

1984- Das war irgendwie absurd

1984 reiste ich aus meiner Heimat, dem Land der 5-Jahres-Pläne, aus. Von Ost- nach Westberlin. Und schaute mir den Fernsehturm und die Mauer von der anderen Seite an. Das war irgendwie absurd. Also reiste ich weiter und war, ohne mir dessen bewusst zu sein, auf der Suche nach dem Paradies und dem, was hinter der Mauer am Ende des Universums ist.

Das Leben erfüllte mir viele Wünsche. Mit 35 hatte ich alles, wovon ich immer geträumt habe und war nicht glücklich. Mit 37 brach alles (und somit mein kompletter Lebensplan) zusammen und ich stand vor einem Scherbenhaufen. Genauer Scherbenberg. Mein Sohn Flavvio hat ihn sogar gesehen, denn ich hatte sämtliches Geschirr zerschmissen Das Leben liess mich durch einen Therapeuten wissen, dass Glück nicht im Äusseren zu finden ist. Also schaute ich nach Innen, und da war nichts. Zumindest konnte ich es nicht sehen.

Das Leben half mir mit Radikal-Lektionen

Das Leben half mir mit Radikal-Lektionen. Ich nannte es den kosmischen Schleudergang und mich die Königin der Dauerkrise. Und das Leben setzte noch eins drauf: Mein drittes Kind wurde mit einem Herzfehler geboren.
Mein Humor half mir, aber meine Kraft reichte nicht. Ausgepowert zwang mich das Leben, langsam zu machen, zwang mich Entscheidungen zu treffen, die ich nicht wollte, zwang mich, zu akzeptieren, auch wenn ich damit nicht einverstanden war.

Mit 47 fing ich mit Boxtraining an, obwohl ich eigentlich in die Tai-Chi Gruppe wollte. Ich hatte die Tür verwechselt. Und das war gut so. Boxen ist wie Tanzen nur schneller. Und eine taffe Selbsterfahrung, die ich nicht missen möchte. 

Mit 50 setzte ich mich auf meine Küchenbank und sagte zum Leben: Na, was jetzt? Noch 15 Jahre auf der Bühne lustig sein? Oder was ganz anderes? Eine Antwort bekam ich nicht. Also blieb ich auf der Küchenbank sitzen. Ich hatte auch nicht anderes vor. Vielleicht wollte das Leben einfach nur wissen, ob ich die Frage ernst meine. Und dann ging es los:

Das Leben ist eine Wundertüte

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus....es folgten Jahre voller ungeahnter Überraschungen und voller Heilung, auch dank eines Autounfalls. Ich arbeitete durch einen Zufall 2 Jahre als Lebensberaterin und entdeckte neue Fähigkeiten. Durch meine Tochter Rabea schenkte mir das Leben eine TochterTochter. 
Mit 53 begegnete mir nach einem Reggae-Konzert ein ungewöhnlicher Mann.
Mit 54 flog ich das erste Mal nach Westafrika, nach Gambia. Seitdem bin ich jedes Jahr dort. Die wilde und große Natur wurde mir zur Lehrerin. Die faszinierende Andersartigkeit des Lebens, die Gelassenheit der Menschen mit den Widrigkeiten des Alltags umzugehen, die unbändige Freude das Sein zu feiern, zu singen, zu tanzen, zu trommeln und vieles, vieles mehr, hat mich bereichert, erweitert und weicher werden lassen. Und tut es heute noch.
Mit 55 war ich auf meiner ersten und einzigen HardCore-Techno-Party. Und ich habe das Gefühl, der Bass wummert heute noch in meinen Knochen. 
Mit 56 flog ich mit Tarek, meinem jüngsten Sohn nach London und Glastonbury. Wir waren auf ein aussergewöhnliches Fest eingeladen, dass 3 Tage dauerte und wir schliefen in einer mongolischen Jurte im englischen Sommer. Das war trotzdem kalt!

Mit 58 fing ich, durch eine Webseiten-Projekt -Krise ausgelöst, an zu fotografieren und war einen Tag in Dakar und traf eine weise Frau.... mit 59 veröffentlichte ich meine ersten Fotos und jetzt mit 61 schreibe ich an dieser Seite und an dem Planlos-Glücklich-Buch. 

Und während ich das schreibe, testet mich das Leben grad wieder, ob ich ihm wirklich traue und es liebe. Oder ob doch noch irgendwo Angst in mir ist. Und es macht mir immer wieder Geschenke. Was auch sonst.

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